Ab Herbst regelmäßige Sprach-Checks für jedes Linzer Kindergartenkind
Der jüngste Bildungsbericht der EU hat neuerlich gezeigt, dass Österreichs Kinder vor allem im sprachlichen Bereich großen Aufholbedarf haben: 27,5 Prozent der SchülerInnen kämpfen mit mangelnder Lesekompetenz – Tendenz steigend. Damit liegt die Alpenrepublik deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 20 Prozent. „Besonders die frühkindliche Entwicklungsphase bietet gute Möglichkeiten, hier positiv korrigierend einzugreifen. Daher setzen wir ab Herbst in den städtischen Betreuungseinrichtungen an“, erklärt Luger.
Alle Kindergartenkinder – das sind etwa 3.900 – nehmen neben gängigen Erhebungsmethoden ab Herbst an Sprachbeobachtungen nach neuesten wissenschaftlichen Standards teil. Kleine Linzerinnen und Linzer mit österreichischen Wurzeln werden nach dem so genannten SELDAK-System getestet. Dabei werden SprachEntwicklung und Literacy (Kompetenzen) bei Deutschsprachig Aufwachsenden Kindern erhoben. Kids von Zuwanderern werden mit dem so genannten SISMIK-Bogen erfasst, der Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern Im Kindergarten untersucht. Die standardisierten Beobachtungen werden zwei Mal pro Jahr durchgeführt.
Stellen die Kindergarten-Pädagoginnen bei einem Mädchen oder Buben Sprachmängel fest, wird sofort mit der Förderung begonnen.
3 Mal wöchentlich 50 Minuten Fördereinheit
Hier steht die sprachliche Begleitung in vertrauten Kleingruppensituationen im Vordergrund. Sprache wird im frühkindlichen Alter überwiegend über Emotionen entwickelt. Die Herausnahme von Kindern aus dem Gruppengeschehen in isolierte Lernsituationen ist in diesem Alter oft nicht zielführend. Wichtig ist vor allem die durchgängige Sprachförderung für den gesamten Kindergarten. Sprachprogramm und Elemente des Tagesablaufes müssen thematisch übereinstimmen, um oftmalige Wiederholungen und Vertiefungen im gesamten Alltag für die Kinder sicher zu stellen.
3 Mal wöchentlich 60 Minuten bzw. 3 Mal wöchentlich 120 Minuten Fördereinheit
Hier ist der Aufbau einer verlässlichen und vertrauten Sprachgruppe wichtig. Die regelmäßige Förderung mit wiederkehrenden Ritualen und einer aufbauenden Systematik – in Zusammenarbeit mit dem gesamten Kindergartenteam – ist verbindliche Grundlage. Der Ausbau der sprachlichen Kompetenzen bis zum Schuleintritt ist Hauptziel.
„Insgesamt bekommt ein Kind so in den drei Kindergartenjahren bis zu 540 Stunden Deutsch-Nachhilfe“, rechnet Vizebürgermeister Luger vor.
| Kindergartenjahr (Alter) | Häufigkeit | Einheiten |
|---|---|---|
| 1. Kindergartenjahr (3 Jahre) NEU | 3 x pro Woche | 50 Minuten |
| 2. Kindergartenjahr (4 Jahre) NEU | 3 x pro Woche | 60 Minuten |
| 3. Kindergartenjahr (5 Jahre) bisherige Förderung | 3 x pro Woche |
120 Minuten (insgesamt 280 Stunden) |
| Insgesamt | 32.400 Minuten = 530 Stunden | |
Derzeit werden insgesamt 631 Kinder aus dem dritten Kindergartenjahrgang gefördert. Geschätzte 85 Prozent davon haben Migrationshintergrund. „Die definitive Zahl der ab Herbst in allen drei Jahrgängen zu fördernden Kinder steht noch nicht fest, da die Sprachstandeserhebungen gerade abgeschlossen werden. Wir schätzen aber, dass wir im ersten und zweiten Kindergartenjahrgang denselben Anteil an zu fördernden Kindern haben werden, wie derzeit im dritten Jahrgang. Das wären dann in Summe ca. 1.500 bis 1.800 Kinder“, erklärt Luger. Der zusätzliche Personalbedarf in den Betreuungseinrichtungen hänge von der tatsächlichen Anzahl der Kinder mit Förderbedarf ab. Das zuständige Kinder- und Jugend-Service der Stadt rechnet mit bis zu 50 zusätzlichen MitarbeiterInnen.
Neben dem Ausbau der Sprachtrainings in den Kindergärten setzt die Landeshauptstadt bereits seit Jahren auf sprachliche Förderprojekte vor allem für Menschen mit Migrationshintergrund – nicht zuletzt im Rahmen des 23 Punkte umfassenden Integrationspakets.
Eine wichtige Maßnahme – sowohl zur muttersprachlichen als auch zur Deutsch Förderung – ist das Rucksack-Modell. Es ist ein mehrstufiges Programm, das neben der Förderung der Mehrsprachigkeit bei MigrantInnenkindern auch eine intensive Einbindung der Eltern in den Bildungsprozess zum Ziel hat. Das seit 2008 in den städtischen Kindergärten bestehende Projekt wird kontinuierlich erweitert.
Bildungserfolge hängen sehr stark vom sozialen Status und Bildungshintergrund der Eltern ab. Vor allem Mütter nehmen hier einen großen Stellenwert ein. Zum Teil stammen Migrantinnen aber aus bildungsferneren Schichten, wenige sind in ihrer Muttersprache ausreichend alphabetisiert. Um diese Gruppe der Frauen zu erreichen, bedarf es spezieller Angebote an Sprach- beziehungsweise Alphabetisierungskursen. Mit dem Projekt „Mama lernt Deutsch“ wird genau das erreicht. Um die Zielgruppe besser erreichen zu können, werden die Kurse an für die Mütter leicht erreichbaren und vertrauten Standorten durchgeführt.
Zur Verbesserung der Lesefertigkeit wird als wichtiger Handlungsschritt das Projekt Lese-Tandem umgesetzt. Schwache LeserInnen können dem textbasierten Unterricht in den verschiedenen Schulfächern nur unzureichend folgen und sich die Lerninhalte schwerer aneignen, was schnell zu schlechten Leistungen führt. Dabei ermöglichen MentorInnen den Kindern, vor allem jenen mit migrantischem Hintergrund, die unter Leseschwäche leiden, ein Lesetraining in einer Atmosphäre individueller Zuwendung und Betreuung.
Fremdsprachige Medien dienen Eltern und Kindern als Lernhilfen und tragen somit auch einen wichtigen Teil zur Sprachförderung bei. Daher wird die Fremdsprachen-Bibliothek im Wissensturm stetig ausgebaut. Neben Lernhilfen, zweisprachigen Werken und Texten in vereinfachtem Deutsch sollen auch fremdsprachige Bildwörterbücher angeboten werden, um Integration von fremdsprachigen Kindern und Erwachsenen zu fördern.
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferent Vizebürgermeister Klaus Luger zum Thema „Neue Initiative für bessere Deutschkenntnisse und Integration startet“)
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