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FRAUEN
Presseaussendung vom 24.06.2009

Marianne.von.Willemer.09 – Frauen.Literatur.Preis

Um Literatinnen zu fördern und zu würdigen, vergibt das Frauenbüro der Stadt Linz zum fünften Mal den mit 3 600 Euro dotierten Marianne.von.Willemer.09 – Frauen.Literatur.Preis. Die Verleihung, die von Vizebürgermeister Dr. Erich Watzl vorgenommen wird, findet am 24. Juni um 19 Uhr im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Botanischen Garten in der Roseggerstraße statt. Über das detaillierte Rahmenprogramm zur Preisverleihung, die eine Kooperationsveranstaltung von Frauenbüro und Botanischem Garten ist, gibt der beiliegende Folder Auskunft.

Ursprünglich wurde der Willemer-Preis – die erste Vergabe erfolgte im Jahr 2000 - alle zwei Jahre ausgelobt, damals jedoch gemeinsam als Preis für „traditionelle Literatur“ und „Literatur im Internet“. Seit 2004 sind die Sparten getrennt. Die Verleihung erfolgt nun jährlich, in den ungeraden Jahren wird der Literaturpreis vergeben, in den geraden Jahren der „Preis für digitale Medien“. Der Marianne.von.Willemer – Frauen.Literatur.Preis ist mittlerweile in der Frauenliteraturszene fest etabliert und aus dem österreichischen Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken. 

Insgesamt reichten 244 Autorinnen – 30 davon in der Jugendkategorie – im Alter von 12 bis 81 Jahren beim Marianne.von.Willemerpreis.09 ein. Diese Zahl beweist das österreichweit große Interesse an dieser Frauenliteratur-Auszeichnung.

Heuer gibt es eine Preisträgerin sowie zwei Anerkennungen. Außerdem vergab die Jury zwei Anerkennungen in der Kategorie U19. Diese Sparte für junge Schreibtalente unter 19 Jahren ist mit 300 Euro Lesegeld ausgelobt. Sie stellt ein aktives Instrument zur Förderung von jungen heimischen Literatinnen dar.

Die Preisträgerin

Mag.a Angelika Reitzer

Prämiertes Werk: „Streuobst“ aus „Frauen in Vasen“ (Prosa, 2008)

In der Erzählung wird ein Garten zum Sinnbild für Familiengeschichten: eine Hochzeit, ein Selbstmord, eine Begräbnisfeier. Die Frauen einer Familie versammeln sich regelmäßig quer durch die Jahre im Obstgarten der Großmutter, einer starken Persönlichkeit, die über den Garten wie über ihre Familie herrscht. Der Garten ist jedoch keinesfalls Sinnbild für das Heimelige, Liebliche sondern birgt Unheil, Grauen, Verletzungen und Kränkungen. In der Erzählung ist er eine andauernde „Kampfzone“, was sich auch sprachlich in der Beschreibung von Arbeiten im Garten z.B. dem Beschneiden von Pflanzen bzw. des dazu gehörigen Werkzeugs äußert. Die schrittweise Vernichtung des Gartens dient als Spiegel der Familiengeschichte.

Das Interessante an Angelika Reitzers Text ist jedoch nicht allein, wie die Ich-Erzählerin etwa mit Großmutter, Mutter und Tante Obstbäume inspiziert, und die Enkelin die Geheimnisse des Obstbaus und die Beziehungsverhältnisse in ihrer Familie darlegt. Denn nicht was sie erzählt, sondern wie sie es tut, steht im Vordergrund, und das macht die Qualität von „Streuobst“ aus. Man wird unvermittelt in die Geschichten hineinkatapultiert, anstatt sie nur erzählt zu bekommen.

Zur Person:

Angelika Reitzer wurde 1971 in Graz geboren. Sie studierte Germanistik in Salzburg und Berlin. Die Preisträgerin arbeitete als Filmvorführerin bei verschiedenen Festivals und als Geschäftsführerin des Forum Stadtpark Graz. Gegenwärtig lebt die Autorin in Wien. Sie ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung.
Weiteres Werk: Taghelle Gegend (Roman, 2007)
Preise (u.a.): Manuskripte Förderpreis 2005, Priessnitz-Preis 2008

Anerkennungen

Zwei Beiträgen sprachen die Jurorinnen auf Grund hoher Qualität Anerkennungen aus:
Anna Weidenholzer für “Der Platz des Hundes”
Mag.a art Patrizia Marchart für „Schwestern unter sich“ 

„Der Platz des Hundes“

„Wenn der Hund stirbt, bleiben noch die Motten.“ In kurzen und treffenden Sätzen gibt die Erzählung „Der Platz des Hundes“ Einblick in das Leben eines Mannes, der zwischen Sommer- und Winterzeit lebt. Sein Alltag ist geprägt von Ritualen, die sich nach dem Tod des Hundes aber verschieben. Die Motten im Küchenschrank werden nun zum Gesprächspartner.

Zur Person:

Anna Weidenholzer (geboren 1984) arbeitet und lebt in Linz. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaften in Wien und besucht seit November 2008 die Akademie für Literatur in Leonding.

„Schwestern unter sich“

Das Werk von Patrizia Machart verzeichnet einen markanten Gegensatz zwischen absurder, fast grotesker Handlung und der unaufgeregten, leisen Erzählart mit ihrer einfachen und schlichten Sprache. Die Autorin erzählt mit großer Suggestivkraft die Geschichte zweier Schwestern, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Die Schwestern erweisen sich als lebensunfähige Außenseiterinnen. Sie sind unauflöslich aufeinander bezogen, ohne Kontakt zur Außenwelt. 

Zur Person:

Patrizia Marchart (geboren 1971) studierte Schauspiel und Visuelle Mediengestaltung in der Abteilung Film und Video. Seit 2000 arbeitet die Literatin als freischaffende Schriftstellerin und Filmemacherin.

In der Kategorie U 19 sprach die Jury, zwei Anerkennungen aus:
Serafina Diebler für „maya und bine“
Iris Zechner für vier Kurzgeschichten 

„maya und bine“

Die junge Literatin Serafina Diebler behandelt mit viel Wortwitz ein Thema, das eine ganze Generation junger Frauen betrifft: Essstörungen.

Das Werk beschreibt die Freundschaft zwischen zwei jungen Mädchen, die es ziemlich schwer haben in ihrem Leben. maya kommt aus einem zerrütteten Elternhaus und ist esssüchtig; bine im Gegensatz dazu, als das Produkt einer Vergewaltigung, ist magersüchtig. Zusammen leben sie nun in einer betreuten Jugend WG. bine und maya, scheinbar so unterschiedlich, haben doch viel gemeinsam. Zusammen und durch ihre Freundschaft verleihen sie ihrem Leben etwas von der zwischenmenschlichen Normalität, die ihnen bisher größtenteils verwehrt geblieben war.

Zur Person:

Serafina Diebler wurde 1991 geboren. Sie absolvierte im Mai 2009 die Matura am BRG Perchtoldsdorf. Ihr weiteres Ausbildungsziel: das Kolleg für Schmuck und Design in Wien, ein Studium der Germanistik oder eine Ausbildung zur Volksschulpädagogin.

vier Kurzgeschichten

Die erst fünfzehnjährige Preisträgerin beeindruckt durch große erzählerische Qualität sowie ungewöhnliche Pointen und Wendungen. Iris Zechner bewegt sich thematisch jenseits aller Klischees und besticht durch eine präzise und unpathetische Sprache ohne Füllwörter.

Zur Person:

Iris Zechner wurde 1993 geboren. Derzeit besucht sie die fünfte Klasse an der AHS Judenburg. Seit 2006 nimmt sie regelmäßig an den Schreibwerkstätten der Literaturwerkstatt Graz teil. 2008 wurde sie mit dem dritten Preis beim internationalen Schreibwettbewerb der Literaturwerkstatt Graz ausgezeichnet.

Die Jurorinnen

Expertinnen im Bereich „Literatur“ beurteilten die 244 eingereichten Projekte:
Dr.in Petra Maria Dallinger
Direktorin StifterHaus Linz
Dr.in Christa Gürtler
Literaturwissenschafterin
Eugenie Kain
Autorin

Warum nur Frauen?

Laut Statistik wurden in den vergangenen 50 Jahren dreimal mehr Männer mit einem Kunstförderpreis ausgezeichnet, als Frauen. Frauen müssen durchschnittlich zehn Jahre länger auf eine Würdigung warten, als ihre männlichen Kollegen. 

Außerdem haben die meisten Kunstförderpreise eine Altersgrenze nach oben hin. Frauen, die auf Grund von Kinderbetreuungs- oder Familienpflichten erst später anfangen, sich der Kunst zu widmen, können mit Förderpreisen meist nicht mehr bedacht werden, weil sie die Altersgrenze bereits überschritten haben.

Um dem entgegenzuwirken, hat der Frauenausschuss des Linzer Gemeinderates unter dem Vorsitz von Gemeinderätin Erika Rockenschaub im Jahr 2000 den Marianne-von-Willemer-Preis initiiert – eine Würdigung und Förderung nur für Künstlerinnen ohne Altersgrenze.

Die Patin „Marianne-von-Willemer“

Die 1784 in Linz geborene Dichterin wurde deshalb als Namensgeberin ausgewählt, weil sie das Schicksal vieler Frauen teilt, deren Werke gestohlen wurden oder die unter männlichem Pseudonym arbeiten mussten. Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte die im regen Briefwechsel mit Marianne von Willemer entstandenen Gedichte in seinem „West-östlichen Divan“ ohne die Verfasserin überhaupt namentlich zu erwähnen.

(Informationsunterlage von Gemeinderätin Erika Rockenschaub und der Linzer Frauenbeauftragten Elvira Tomancok zur Verleihung des „Marianne.von.Willemer.09 – Frauen.Literatur.Preises“)

www.linz.at/frauen.

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