Da der Bereich der Pflege und die Betreuung von Menschen mit Demenz eine immer größer werdende Herausforderung darstellt und diese Menschen eine speziell auf sie abgestimmte Versorgung benötigen, bietet sich mit dem Haus 3 am Spallerhof eine einmalige Chance an. Beim Projekt Demenzzentrum könnten hier bis zu 145 SeniorInnen wohnen und betreut werden. Durch auf die Bedürfnisse der BewohnerInnen optimal abgestimmte räumliche Voraussetzungen sowie ein spezielles Pflege- und Betreuungskonzept wäre dort für demenzerkrankte Menschen ein möglichst stressfreier sowie normaler Alltag möglich.
Das Projekt sieht elf Kleingruppen mit bis zu 14 BewohnerInnen mit mittelschwerer bis schwerer Demenz vor, die jeweils von einem kleinen Betreuungsteam versorgt würden.
Um die Projektidee auf ihre Praxistauglichkeit zu testen, wurde bereits eine Musterstation im Erdgeschoß des Gebäudes eingerichtet. Rund 40 BewohnerInnen sind inzwischen dort untergebracht.
Das historische, über 100 Jahre alte Gebäude im Seniorenzentrum Spallerhof wurde Mitte der 90er Jahre umfassend saniert und für 160 Wohnplätze ausgerichtet. Ein spezielles Desorientierten-Fürsorgesystem, das die Betreuung von Menschen mit Fluchttendenz erleichtert, ist ebenfalls schon integriert.
Als einziges Haus der Seniorenzentren Linz GmbH verfügt es noch mehrheitlich über Dreibettzimmer, die für ein Demenzzentrum besonders geeignet sind. Die langjährige Erfahrung in den Seniorenzentren zeigt, dass für diese BewohnerInnen die Unterbringung in Mehrbettzimmern von Vorteil ist und sich positiv auf ihr subjektives Empfinden (Angst vor dem Alleinsein) auswirkt.
Die Architektur des Gebäudes mit dem vorhandenen Innenhof und den sich dadurch ergebenden Rundgang im Haus sowie einem Grundriss, der die Schaffung kleiner Betreuungseinheiten und Erlebniszonen zulässt, ist geradezu prädestiniert für eine speziell auf Menschen mit dieser Krankheit ausgerichtete stationäre Betreuung.
Anders als geistig klare BewohnerInnen können sich Menschen mit Demenz ihrer Umgebung nicht mehr anpassen. Vielmehr müssen Pflegende und Betreuende versuchen sich Menschen mit Demenz anzupassen. Entsprechend den unterschiedlichen Stadien unterscheiden sich auch die Bedürfnisse und der Betreuungsbedarf.
Während im mittleren Stadium volles Miteinbeziehen in den Tagesablauf, Beschäftigung und Struktur wichtig sind, benötigen Menschen mit schwerer Demenz neben spezieller Zuwendung (nonverbale Kommunikation, Düfte,…) vermehrte medizinisch-pflegerische Versorgung. Die Grundpflege sowie alle prophylaktischen Pflegehandlungen werden zu 100 Prozent vom Pflegepersonal übernommen.
Um diesen unterschiedlichen Bedürfnissen nachkommen zu können, werden im geplanten Demenzzentrum zwei Formen der Pflege- und Betreuung angeboten:
Zielgruppe des Betreuungsbereiches sind Bewohner mit Demenzerkrankung, die noch bewusst an Aktivitäten teilnehmen können. Das Schaffen einer stressfreien, alltagsnahen Tagesstruktur in kleinen Wohneinheiten steht im Vordergrund, während Grundpflege als Selbstverständlichkeit in den Hintergrund tritt. In einem Betreuungsbereich werden maximal 14 BewohnerInnen von einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern betreut. Eine kontinuierliche Beziehung zwischen Mitarbeitern und Bewohnern ist dadurch möglich. Den Betreuungsmittelpunkt stellt dabei der Gemeinschaftsraum dar. Hier gestaltet das Pflegepersonal den Tagesablauf mit den BewohnerInnen und geht dabei auf ihre individuellen Gewohnheiten und Ressourcen ein. Freiräume werden von den Mitarbeitern durch geplante Aktivitäten gefüllt.
Die Zielgruppe der Pflegeoase sind Menschen mit schwerer Demenz und hohem Pflegeaufwand beziehungsweise medizinischer Betreuung. Die Bedürfnisse haben sich derart verändert, dass diesen im Betreuungsbereich nicht mehr nachgekommen werden kann, ohne dabei gleichzeitig das Betreuungsziel im Betreuungsbereich aus den Augen zu verlieren.
Seit einigen Jahren bietet das AKh Linz eine fachärztliche Betreuung von BewohnerInnen vor Ort an, wobei gerade die neurologische Versorgung von DemenzpatientInnen einen Schwerpunktbereich darstellt.
Im Wesentlichen soll die bestehende Mehrbettzimmersituation unverändert bleiben, da sie sich positiv auf das soziale Verhalten der Zielgruppe auswirkt. Die BewohnerInnen in den Betreuungsbereichen benötigen jedoch einen abgeschlossenen Gemeinschaftsraum, in dem für sie eine weitgehend „normale“ Lebensgestaltung möglich wird.
Der für die Dementenbetreuung erforderliche Gemeinschaftsraum wird in Form einer Wohnküche realisiert. Hier werden die Hauptmahlzeiten eingenommen und die BewohnerInnen tagsüber beschäftigt. Als Grundausstattung stehen eine Küchenzeile mit Kühlschrank, E-Herd, Mikrowelle, Geschirrspüler und Abwasch zur Verfügung. Ein Arbeitsplatz für das Pflege- und Betreuungspersonal ist ebenfalls vorhanden. Durch die räumliche Nähe können die MitarbeiterInnen unmittelbar auf die Bedürfnisse eingehen.
In der Dementenbetreuung ist darauf zu achten, dass BewohnerInnen, die einen gesteigerten Bewegungsdrang haben, diesem nachkommen können ohne sich im Haus zu verirren. Die Lösung ist ein Rundgang, der sie immer wieder an den Ausgangspunkt zurückbringt. Architektonisch bietet das Haus 3 dafür ideale Voraussetzungen. Bereits jetzt verbindet ein Gang alle Bereiche eines Geschoßes. Punktuell platzierte Sitzgelegenheiten und Erlebniszonen, die die sinnliche Wahrnehmung anregen, laden künftig die BewohnerInnen dazu ein, aktiv zu sein, zu rasten oder zu verweilen. Mögliche Themen im Zuge der Umsetzung könnten sein: Lesebereiche, Hauswirtschaftsbereich, Werkbank, Herrgottswinkel, Duftinsel, Wald, Wiese, Labstationen mit Fingerfood, Wasserwelt, Greißlerladen…
Die Orangerie im Erdgeschoß bietet die Möglichkeit, ein Kaffeehaus mit Schanigarten einzurichten. Hier haben die BesucherInnen die Möglichkeit, ihre Angehörigen „auszuführen“, ohne dabei einen belastenden Ortswechsel in Kauf nehmen zu müssen.
Die Licht- und Farbgestaltung trägt zur Schaffung einer wohnlichen Atmosphäre bei. Speziell im Herbst helfen spezielle Leuchten depressiven Stimmungen vorzubeugen. Die Farbe spielt als Gestaltungselement eine wichtige Rolle. Sie kann von einladend warm bis hin zu beruhigend kühl gewählt werden. Warme und helle Töne beugen einer Reizüberflutung vor. So vermittelt zum Beispiel Gelb Weite und Fröhlichkeit; Blau, Violett und Grün sowie sämtliche Erdtöne wirken beruhigend. Der gezielte Einsatz von Aromaölen kann diese beruhigende Wirkung noch unterstützen. All diese Erkenntnisse fließen in die Raumgestaltung ein.
Der Innenhof ist sowohl von der Abteilung im Erdgeschoß, als auch von der Eingangshalle aus von zwei Seiten barrierefrei zu erreichen. Er bietet Sitzgelegenheiten, im Sommer schützen Bäume vor der Sonne. Der Hof steht allen BewohnerInnen und ihren Angehörigen zur Verfügung. Er wird so gestaltet, dass ebenfalls alle Sinne angeregt werden. So laden etwa Beerensträucher zum Pflücken und Naschen ein, Hochbeete zum Garteln, usw..
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Sozialreferentin Vizebürgermeisterin Ingrid Holzhammer und Gesundheitsreferentin Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal zum Projekt „Zentrum für demenzkranke SeniorInnen im Seniorenzentrum Spallerhof“)
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Der für die Dementenbetreuung erforderliche Gemeinschaftsraum wird in Form einer Wohnküche realisiert. |
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Die Orangerie im Erdgeschoß bietet die Möglichkeit, ein Kaffeehaus mit Schanigarten einzurichten. Hier haben die BesucherInnen die Möglichkeit, ihre Angehörigen „auszuführen“, ohne dabei einen belastenden Ortswechsel in Kauf nehmen zu müssen. |
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In der Dementenbetreuung ist darauf zu achten, dass BewohnerInnen, die einen gesteigerten Bewegungsdrang haben, diesem nachkommen können ohne sich im Haus zu verirren. |
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