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BILDUNG
Presseaussendung vom 18.09.2008

Legasthenie-Projekt in der Dorfhalle-Volksschule

Mit Semesterbeginn hat die Stadt Linz in der Dorfhalle-Volksschule ein Pilot-Projekt für Kinder gestartet, die von Legasthenie betroffen sind. Mit der Durchführung ist der PGA, Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit beauftragt, der unter anderem auf Lernberatung und -förderung spezialisiert ist.  Rund 22.600 Euro investiert die Stadt in diese Aktion, um Kinder mit Leistungsschwierigkeiten beim Lesen und Rechtschreiben rechtzeitig zu fördern und ihnen damit eine erfolgreiche Bewältigung der Schullaufbahn zu ermöglichen. Gleichzeitig soll damit einkommensschwächeren Eltern unter die Arme gegriffen werden, denn die Teilnahme am Projekt ist kostenlos.

Start im Oktober

Das Legasthenie-Projekt setzt am Beginn der 3. Schulstufe an. Eine Lese- und Rechtschreibschwäche ist hier bereits gut erfassbar. In diesem Sinne sollen spätestens im Oktober 38 Dorfhalle-VolksschülerInnen einem ersten Test unterzogen werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass deren Eltern mit der Teilnahme einverstanden sind. Um sie zum Mitmachen zu motivieren, werden sie im Vorfeld grundlegend über Legasthenie, ihre Ursachen, Fördermöglichkeiten und anderes mehr aufgeklärt. Und natürlich werden sie  über den Ablauf und die Ziele des Projektes informiert.

Alle am Projekt teilnehmenden Kinder werden zuerst in der Gruppe und dann einzeln ausführlich auf eine mögliche Legasthenie hin getestet. Dafür werden Rechtschreibkenntnisse, Leseleistung und Intelligenz abgeklärt. Innerhalb einer Woche sollen die Tests durchgeführt und auch ausgewertet sein.

Geht bei der Erstabklärung die Diagnose in Richtung „Legasthenie“, werden in einer zweiten Phase folgende Schritte zur Feinabstimmung gesetzt:

  • Elterngespräch
    Mit den Eltern der betroffenen SchülerInnen wird Kontakt aufgenommen und gemeinsam das Testergebnis durchgegangen. Sollte es bereits Befunde und Vorbehandlungen geben, werden diese besprochen. Ebenso die bisherige und aktuelle Lebenssituation des Kindes. Weiters werden die Schul- und Lernsituation sowie die Lernentwicklung erhoben. Wichtig ist es auch, eventuelle Belastungen beziehungsweise körperlichen und/oder seelische Beschwerden zu erfassen.
    Vor allem werden Eltern auf die Vorteile hingewiesen, die eine Teilnahme an einem weiterführenden Förderprogramm mit sich bringt – ist es doch individuell auf das Kind zugeschnitten und noch dazu kostenlos.
  • LehrerInnen-Gespräch
    Mit Einverständnis der Eltern werden auch die LehrerInnen zur schulischen Situation des jeweiligen Kindes befragt. Sie können weitere Hinweise zu den Problemen geben.
  • Ausführliche Intelligenz- und Sprachentwicklungstestung
    Zur exakteren Bestimmung der Intelligenz und zur Erfassung des Standes der Sprachentwicklung ist eine ausführliche Testung vorgesehen. Um das Kind nicht unnötig zu demotivieren, wird das intelligenzdiagnostische Verfahren an die Leistungen des Kindes angepasst. Kurze Sprachentwicklungstests geben Auskunft über Wortschatz, Grammatik und Leseverständnis. Im Anschluss haben die SchülerInnen dann die Möglichkeit, über ihr Befinden zu sprechen – Wo liegen die Probleme? Welche Situationen werden als besonders schwierig erlebt?...

Diese zweite Abklärungsphase gibt ein genaues Bild darüber, welche SchülerInnen konkret von Legasthenie betroffen sind, welche Kinder Schwächen beim Lesen und Rechtschreiben haben ohne legasthenisch veranlagt zu sein, bei welchen Kindern andere Faktoren Schul-Schwierigkeiten verursachen.  

Zweisemestriges Förderprogramm – individuell und maßgeschneidert

Basierend auf den erhobenen Daten werden individuelle und maßgeschneiderte Förderkonzepte erstellt. Auch ist vorgesehen, dass ein Kind nicht zwangsläufig das gesamte Programm durchlaufen muss, sondern dort abgeholt wird, wo es gerade steht. Zusätzlich wird der Förderplan regelmäßig den Entwicklungsfortschritten des Kindes angepasst, um eine Demotivierung durch Unter- oder Überforderung zu vermeiden.

In einem weiteren Elterngespräch werden die aktuellen Testergebnisse besprochen, gemeinsam ein Ziel für die Förderung formuliert und ein ungefährer Zeitplan erstellt.
Grundsätzlich ist im 1. Semester ein wöchentliches Einzeltraining vorge-sehen. Es umfasst unter anderem lauttreues Schreiben und Lesen, den Rechtschreib-Regel-Aufbau sowie flüssiges und sinnerfassendes Lesen.

Für Kinder mit schwerer Legasthenie wird es auch im 2. Semester ein wöchentliches Einzeltraining geben. Alle anderen arbeiten in Kleingruppen mit maximal drei Kindern weiter. Bei der Zusammenstellung wird auf einen möglichst ähnlichen Förderbedarf geachtet.

Begleitende Maßnahmen

Begleitend zum Förderprogramm sind weitere Elterngespräche vorgesehen, bei denen es vor allem um Entwicklungsfortschritte, neue Beobachtungen und weitere Vorgangsweisen geht. Auch werden die Eltern darüber infor-miert, wie sie ihr Kind zu Hause gezielt fördern können.

Natürlich sind auch regelmäßige Besprechungen mit den LehrerInnen eingeplant, um sich über gesetzte Maßnahmen und Beobachtungen auszutauschen.

Die Evaluierung

Am Ende des Schuljahres 2008/09 werden der Lese- und Rechtschreibtest und die Sprachentwicklungstests vom Beginn des Projektes erneut durchgeführt, auch hier wird wieder einzeln und in der Gruppe. Ein Vergleich zwischen Ausgangs- und Endsituation gibt Aufschluss über den Erfolg des Projekts. Durch eine Endbesprechung mit Eltern und LehrerInnen können zudem Veränderungen und Verbesserungen aus Sicht aller Beteiligten erfasst werden.

Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Gesundheitsreferentin Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal und Bildungsreferent Stadtrat Johann Mayr zum Thema "Legasthenie-Projekt in der Dorfhalle-Volksschule".

Weitere Gesprächspartnerin:
Mag.a Susanne Dorotka, Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit

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