Wesentliche Erkenntnisse zur frühen Stadtentwicklung
Seit 2005 werden die archäologischen Arbeiten von der EU gefördert. In Zusammenarbeit mit dem Keltischen Forschungszentrum in Bibracte (Burgund, Frankreich) werden die späteisenzeitlichen und frührömischen Siedlungsreste in mühsamer und schwieriger Kleinarbeit freigelegt und wissenschaftlich exakt aufgenommen. „Mit unseren systematischen Untersuchungen haben wir einen ganz wesentlichen Einblick in die frühe Phase des antiken Lentia aus dem ersten Jahrhundert vor und ersten Jahrhundert nach Christus erhalten. Holzkonstruktionen mit kellerartigen Einbauten, Grundrisse von Unterkünften, Abfallgruben und Schächte zeichnen sich in rund drei Metern Tiefe ab“, erklärt Prof. Dr. Erwin M. Ruprechtsberger, der die Geschichte des römerzeitlichen Linz seit nunmehr drei Jahrzehnten wahrnimmt. „Damit sind wir in der Lage, die Ausdehnung der frühen Siedlung auf dem Römerberg einigermaßen genau abzuschätzen und zu gewichten“, so Ruprechtsberger.
Mit ansehnlichen Bauresten wie etwa gut erhaltenen Heizkanälen aus dem vierten bis fünften Jahrhundert nach Christus und einem Ofen wurden erstmals Befunde entdeckt, die aus der Spätantike stammen und zusammen mit anderen Indizien beweisen, dass der Schlossberg als damaliges Siedlungszentrum von Lentia galt, aus dem sich das frühmittelalterliche Linze entwickeln sollte.
Während der Ausgrabungen kam auch ein zirka drei Meter tiefer und vier Meter breiter Sohlgraben zum Vorschein. Er gehörte zu jenem Schanzwerk, von dem aus am 5. Mai 1809 die Franzosen Urfahr beschossen und schwer beschädigt haben. Die Schanze - auf einer Zeichnung von Joseph Kenner um 1824 dargestellt - konnte nun durch die Archäologen erforscht und so topographisch fixiert werden. Münzfunde aus dem Graben bestätigen den Zeitansatz.
Die brisante Lage auf dem Römerberg oberhalb der Donau wurde auch in der NS-Zeit genutzt, um dort nicht nur eine Abwehrstellung, sondern auch Betonfundamente in den Boden zu gießen. Auf diesen waren Baracken und Pferdestallungen errichtet. Die massiven Betonreste mussten maschinell entfernt werden, damit die historisch relevanten Niveaus aus Spätantike, Römer- und Eisenzeit vom Grabungsteam geortet und untersucht werden konnten. Im Zuge dieser Arbeiten wurden heuer 134 Quadratmeter Erde bewegt und am Grabungsplatz aufgetürmt.
Zitat Vizebürgermeister Dr. Erich Watzl: „Ich bedanke mich für die geleistete Arbeit zur Erforschung der Geschichte unserer Stadt. Diese ist eine wichtige Basis für die Identität und die weitere Entwicklung derselben“.
Kontakt:
Prof. Dr. Erwin M. Ruprechtsberger Tel.: +43 (0)732 / 387820 19
Für Medienanfragen:
Sabine Hörschläger Tel.: +43 732 7070 1354
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Gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Erwin M. Ruprechtsberger und Prof. Dr. Otto H. Urban besichtigte Vizebürgermeister Dr. Erich Watzl kürzlich die Ausgrabungsstelle auf der Keplerwiese. |
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