Durchgeführt wurde die Überprüfung der Radfahrsituation vom Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur in Wien.
Bei der breit angelegten Untersuchung wurde unter anderem auch die Einstellung von BürgerInnen, RadfahrerInnen und Nicht-RradfahrerInnen überprüft. Dazu gab es eine schriftliche Befragung ausgewählter Haushalte und eine mündliche Befragung von Linzer RadfahrerInnen. Beide Befragungen beinhalteten die Einstellung zu verkehrspolitischen Themen und die Radfahrgewohnheiten.
Ziemlich ähnlich schätzten sowohl die BürgerInnen, RadfahrerInnen und Nicht-RadfahrerInnen die Bedingungen für den Radverkehr in Linz ein. Mehr als die Hälfte aller Befragten erklärten, dass Radfahren in Linz in den vergangenen drei Jahren attraktiver geworden sei. Allerdings waren bei den RadfahrerInnen nur 35 Prozent mit den Informationen zu neuen Maßnahmen für den Radverkehr zufrieden. Für Mobilitätsstadtrat Jürgen Himmelbauer ein deutlicher Hinweis, dass speziell für ausreichende Informationen der RadfahrerInnen mehr Budgetmittel benötigt werden.
Grundsätzlich wird von den Befragten eine Politik befürwortet, die ein ausreichend Angebot für alle Verkehrsmittel vorsieht. Interessant, aber nicht ungewöhnlich ist, dass von den BürgerInnen der Förderung des Pkw-Verkehrs im gleichen Maß zugestimmt wird, wie der Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten. Als größte Verkehrsprobleme in Linz nennen BürgerInnen den Stau und zu wenige Parkplätze. RadfahrerInnen zählen neben dem Stau auch die Luftverschmutzung und den Verkehrslärm zu den größten Verkehrsproblemen.
Wie die Untersuchung ebenfalls zeigt, haben die RadfahrerInnen ein erhöhtes Umweltbewusstsein. Sie stimmen den Aussagen, dass sie sich regelmäßig über umweltbewusstes Verhalten informieren eher zu (69 Prozent) und lehnen die Aussage ab, dass die Umweltbelastung durch das Auto als übertrieben dargestellt wird (31 Prozent).
Bei verkehrspolitischen Entscheidungen zur sanften Mobilität wurde von allen befragten Gruppen die stärkere Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel mit extrem hoher Zustimmung begrüßt. Bei den RadfahrerInnen waren es 96 Prozent, bei den BürgerInnen 80 Prozent und bei den Nicht-RadfahrerInnen ebenfalls hohe 76 Prozent. Allerdings erfahren jene Vorschläge, die Investitionen für den nicht-motorisierten Verkehr auf Kosten des Pkw-Verkehrs vorsehen, speziell unter den Nicht-Radfahrerinnen leichte Ablehnung. RadfahrerInnen befürworten Vorschläge zur Förderung des öffentlichen und nicht-motorisierten Verkehrs, auch zu Lasten des Pkw-Verkehrs.
Bei der Untersuchung allgemeiner Themen steht die Gesundheitsvorsorge und die Verbesserung der Umweltsituation für alle Befragten hoch im Kurs. Auch die Förderung der sanften Mobilität erhält eine hohe Zustimmung. Deutliche Unterschiede gibt es beim Thema Verbesserung der Bedingungen für den Pkw. Die Zustimmung ist bei BürgerInnen und Nicht-RadfahrerInnen relativ hoch und steht damit im Widerspruch zu den anderen Aussagen.
Relativ ausgewogen verläuft die Abfrage nach gesundheitsrelevanten Aspekten. Dennoch weist die Gruppe der Radfahrerinnen diesen Themen eine größer Bedeutung zu, als die beiden anderen Gruppen.
Interessant bei diesem Thema erscheint, dass mit Ausnahme der RadfahrerInnen die Zustimmung der anderen Befragten den Pkw-Verkehr zu fördern und die Zustimmung zur Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten gleich hoch ist. Das weist auf die bekannte Tatsache hin, dass Menschen, die gern und viel mit dem Pkw fahren, in ihrer Wohnumgebung keinen Pkw-Verkehr möchten.
Die Zustimmung zu verkehrspolitischen Entscheidungen hinsichtlich des Pkw-Verkehrs zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen. So sind die RadfahrerInnen mit 82 Prozent für eine Einschränkung des Pkw-Verkehrs, während es bei den BürgerInnen nur 61 Prozent sind.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass 100 Prozent der Linzer RadfahrerInnen auch ein eigenes Rad besitzen. Ein Vergleich der Verkehrsmittelverfügbarkeit zeigt in den einzelnen Gruppen kaum Unterschiede in der Verfügbarkeit motorisierter Individualverkehrsmittel.
Interessant erwies sich die Einschätzung des Verkehrsmittels Fahrrad. Während dem Pkw von allen Befragten besonders die Eigenschaften bequem und schnell zugewiesen wurden, wird das Fahrrad von Nicht-RadfahrerInnen als langsam und unbequem gesehen. Bei den aktiven NutzerInnen ist das Gegenteil der Fall. Sie gaben an, vor allem aus Gründen der Schnelligkeit und der Bequemlichkeit aber auch aus Gründen der Umweltfreundlichkeit, des Kostenfaktors und des Entfalls von Parkproblemen Rad zu fahren.
Ein wichtiger Aspekt im Radverkehr ist die Verkehrssicherheit beziehungsweise das subjektive Sicherheitsempfinden. Besonders gefährdet fühlen sich RadfahrerInnen bei Fehlverhalten von Kfz-LenkerInnen, aber auch bei großem Verkehrsaufkommen und hohen Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs.
Nimmt man diese Ängste und Unsicherheiten als Basis für Maßnahmen zur Radverkehrsförderung, so sind vorrangig Sicherheitsdefizite im Straßennetz und an Kreuzungen zu beheben. Aber auch die Geschwindigkeit des Kfz-Verkehrs und das Verkehrsaufkommen sind offene Themen. Die Trennung von Rad- und Kfz-Verkehr ist daher eine wiederholte Forderung der befragten Gruppe der RadfahrerInnen gewesen.
Von allen befragten Gruppen wird in der Studie dem Rad fahren und dem zu Fuß gehen hohe Umweltfreundlichkeit zugeschrieben. Geringer ist die Zustimmung beim Öffentlichen Verkehr mit rund 70 Prozent. Der Pkw-Verkehr wird von den BürgerInnen und den Nicht-RadfahrerInnen hinsichtlich der Umweltverträglichkeit mit nur rund 30 Prozent beurteilt. RadfahrerInnen halten den Pkw-Verkehr mit 13 Prozent für noch weniger umweltverträglich.

Bei der Zuordnung von Eigenschaften weisen sich Nicht-Radfahrende selbst eher negative Eigenschaften zu. Vorrangig sehen sie sich als übergewichtig (20 Prozent) und bequem (19 Prozent).
Aktive RadfahrerInnen weisen Nicht-RadfahrerInnen ebenfalls negative Eigenschaften zu und 53 Prozent bezeichnen sie als bequem.
Im Jahr 2001 wurden etwa 5 Prozent der Wege der Linzer Wohnbevölkerung mit dem Fahrrad zurückgelegt. Die BürgerInnen schätzen den Radverkehrsanteil mehr als doppelt so hoch, auf 13 Prozent. RadfahrerInnen schätzen den Radverkehrsanteil realistischer auf 8 Prozent. In einer offenen Frage wurden die Einschätzungen genereller Gründe für den niedrigen Radverkehrsanteil in Linz erhoben, wobei jede Person mehrer Gründe nennen konnte.
Die Linzer BürgerInnen sehen den Grund für den niedrigen Radverkehrsanteil hauptsächlich in der Bequemlichkeit/Faulheit der Menschen (39Prozent). 19 Prozent nannten eine hohe Unfallgefahr beziehungsweise den Zeitmangel als Grund. Erst danach werden infrastrukturelle Gründe, wie zu wenig Radwege, ein unvollständiges Netz (14 Prozent) und mangelnde Qualität der Radfahranlagen (10 Prozent) genannt.
Nicht-Radfahrende sehen ebenfalls in erster Linie in der Bequemlichkeit beziehungsweise Faulheit (34 Prozent) den Grund für den niedrigen Radverkehrsanteil. Mangelnde Infrastruktur in Form zu weniger Radwege und eines unvollständigen Netzes liegt bei den Nicht-Radfahrenden an zweiter Stelle (19 Prozent). Danach folgen zu große Distanzen (13 Prozent) und die vermutete Langsamkeit des Radfahrens (12 Prozent).
Fast die Hälfte aller RadfahrerInnen (48 Prozent) ist der Meinung, dass die Leute zu faul und zu bequem sind, um Rad zu fahren sind. Danach folgt die Kritik über zu wenige Radfahranlagen beziehungsweise ein lückenhaftes Netz (34 Prozent). Weitere Gründe sehen RadfahrerInnen in der hohen Unfallgefahr (29 Prozent), sowie im schlechten Image des Radfahrens und der Wetterabhängigkeit (jeweils 14 Prozent). In der mangelnden Qualität bestehender Radfahranlagen sehen 10 Prozent einen Grund, 8 Prozent sind der Meinung, dass die Leute zu wenig über das Radfahren informiert seien. Gewohnheit und die Nicht-Popularität des Radfahrens wurden von jeweils 7 Prozent genannt. Zeitmangel oder als Grund für die Nicht-Nutzung des Fahrrades wurde von den RadfahrerInnen nicht genannt, sie sehen das Radfahren generell als schnelles Verkehrsmittel in der Stadt.
Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Mobilitätsstadtrat Jürgen Himmelbauer zum Thema Rad fahren in Linz ist attraktiver geworden.
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