Insgesamt vier Anbieter haben sich an der europaweiten Ausschreibung zur Entwicklung und Lieferung der neuen Niederflurfahrzeuge für die Pöstlingbergbahn beteiligt. Basis der Ausschreibung war das mit dem Bundesdenkmalamt (BDA) abgestimmte Grundkonzept für Fahrzeuge im „Retro-Look“ des SCIONIC-Instituts der Kunstuniversität Linz. Ein weiterer grundlegender Bestandteil waren die hohen technischen Anforderungen und ein Fassungsvermögen von rund 80 Personen.
Die Auswahl des Bestbieters erfolgte nach technischen, wirtschaftlichen und gestalterischen Vergabekriterien. Bei der technischen und wirtschaftlichen Beurteilung erhielt FTD die höchste Bewertung.
Für die Außen- und Innengestaltung wurde – wie vereinbart – das BDA mit eingebunden. Die anonymisierten Vorschläge wurden vom BDA bewertet und das Design der FTD an die erste Stelle gereiht.
Insgesamt liefert FTD vier neue Fahrzeuge. Entsprechend den Vorgaben des Bundesbehindertengleichstellungsgesetzes vom 1. Jänner 2006 werden alle Bahnen barrierefrei zu 100 Prozent in Niederflurbauweise gefertigt. Die Einstiegshöhe beträgt (gleich wie beim Cityrunner) 320 mm. Spezielle Stellplätze für Rollstühle und Kinderwägen sind geplant.
Die neuen Bahnen sind klimatisiert. Bildschirme im Fahrzeugraum tragen zur besseren Fahrgastinformation bei. Für mehrsprachige Erklärungen und Informationen über Kopfhörer stehen entsprechende Anschlüsse zur Verfügung.
In Anlehnung an die Altfahrzeuge wird im Innenraum Holz eine große Rolle spielen. Bezüglich der Sitzplatzanordnung werden derzeit unterschiedliche Varianten geprüft. Je nachdem werden die einzelnen Fahrzeuge voraussichtlich über 25 Sitzplätze und rund 55 Stehplätze verfügen.
Entsprechend der bisherigen Gepflogenheit wird in den Neufahrzeugen der Transport von Schlitten und Fahrräder in begrenzter Zahl berücksichtigt.
Alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen in den Fahrzeugen werden redundant ausgeführt. Das heißt, die Bahnen sind auch bei technischen Problemen auf der Strecke immer noch fahrtüchtig.
Jedes Fahrzeug wird durch vier Motoren mit je 105 Kilowatt angetrieben. Die Gesamtleistung der Neufahrzeuge beträgt 420 Kilowatt bzw. 571 PS.
Leistung der alten Pöstlingbergbahnen: 48 Kilowatt/65 PS
Künftige Leistung der revitalisierten Fahrzeuge: 130 Kilowatt/176 PS
Leistung Cityrunner: 600 Kilowatt/820 PS
Die Zwei-Richtungsfahrzeuge haben ein Leer-Gewicht von 26 Tonnen. Bei einer Länge von 19 Metern, einer Breite von 2,30 Metern und einer Höhe von 3,90 Metern werden auf beiden Seiten zweiflügelige Türen sowie eine einflügelige Tür den Fahrgästen ein bequemes Ein- und Aussteigen ermöglichen.
Moderne Niederflurfahrzeuge bestehen aus zumindest drei mit Gelenken verbundenen Modulen (zwei Fahrwerksmodule und ein Brückenmodul). Die Größe der Fahrwerksmodule ergibt sich aus den Drehgestellen und dem Fahrerstand, jene des Brückenmoduls aus den Türgrößen und den in Türnähe angeordneten Abstellplätzen für Rollstühle und Kinderwägen.
Anders als bei alten Straßenbahnen müssen bei Niederflurfahrzeugen alle technischen Komponenten wie z. B. Klimaanlage, Stromabnehmer, Antriebssteuerungen usw. auf dem Dach untergebracht werden. Diese technischen Einrichtungen erfordern vermehrten Platzbedarf und benötigen die volle Länge der verfügbaren Dachfläche.
Insgesamt 9,55 Millionen Euro werden die vier neuen Fahrzeuge kosten. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Gesamtprojektes (32 Millionen Euro). Vom Verkehrsressort des Landes OÖ und der Stadt Linz wurde die Bereitschaft zur Unterstützung mit je 10 Millionen Euro angekündigt.
Die Fahrzeuge werden in vier Etappen geliefert. Die Inbetriebnahme erfolgt, nach dem Durchlauf aller behördlichen Bewilligungsverfahren, im ersten Quartal 2009.
Insgesamt fünf Anbieter haben sich an der europaweiten Ausschreibung zur Revitalisierung vorhandener Getriebewagen beteiligt. Der Zuschlag ging ebenfalls an FTD Fahrzeugtechnik Dessau.
Drei Fahrzeuge aus dem Bestand der Jahre 1950 bis 1959 (Wagen Nr. VIII, X und XI) werden sehr behutsam - in Absprache mit dem BDA - im erforderlichen Ausmaß saniert.
Aus sicherheitstechnischen Gründen ist der Unterbau (das Fahrwerk) und die gesamte elektrische Ausstattung zu erneuern. Eine so genannte Doppeltraktion ermöglich künftig das Koppeln zweier Fahrzeuge, um so die Fahrgastkapazitäten in Abstimmung auf die Neufahrzeuge zu erhöhen. Künftig werden die Türen automatisch geschlossen. Das ist aus Sicherheitsgründen notwendig, weil die neue Strecke der Bergbahn auch durch Gegenverkehrsbereiche führt und im normalen Straßenverkehr unterwegs ist.
Entsprechend dem historischen Vorbild werden die Wagenkasten saniert und die Sitze wieder dem ursprünglichen Erscheinungsbild (Holzsitze mit Sprossen) angepasst. Auch die wesentlichen, charakteristischen Elemente im Führerstand werden erhalten.
5,35 Millionen Euro werden in den Umbau und die Revitalisierung der drei Altfahrzeuge investiert.
Die Inbetriebnahme der erneuerten Bahnen wird im 1. Quartal 2009 erfolgen.
Die Fahrzeugtechnik Dessau AG stellt Schienenfahrzeuge und Subsysteme her. 1995 gegründet, führt das Unternehmen die Tradition des Waggonbaus Dessau fort. Seit 1946 haben über 54.000 Schienenfahrzeuge die Produktionshallen verlassen. FTD ist besonders leistungsfähig bei auftragsbezogenen Sonderkonstruktionen und kleinen Serien. Mit 200 Mitarbeitern in Deutschland wird ein Umsatz von 25 Millionen Euro erwirtschaftet.
Der Entwurf der neuen Fahrzeuge stammt von Döllman Design. Das Wiener Unternehmen wurde 2005 gegründet und beschäftigt sich mit der Entwicklung von Corporate- und Industrial Design. Peter Döllmann studierte an der TU Dresden und an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Heute hat der Designeru. a. einen Lehrauftrag an der Kunstuniversität in Linz, Studienrichtung raum&designstrategien.
Die gesamte Strecke der neuen Pöstlingbergbahn wird in drei Abschnitte gegliedert.
Der gesamte Abschnitt entspricht der bestehenden Bergbahnstrecke. Die Trassenführung und die Talstation bleiben unverändert. Die Talstation dient nur noch als Abfahrtstelle für Sonderfahrten und für die Museumsbahn.
Dieser Abschnitt beginnt auf Höhe der Bergbahnremise. Hier zweigt in Richtung Hauptplatz die neue Trasse vom Bestand ab, quert niveaugleich die Mühlkreisbahn und bindet auf Höhe der Kaarstraße in die Umkehrschleife der Linie 3 ein.
In diesem Abschnitt verläuft die Strecke vom Bergbahnhof Urfahr (Schleife Linie 3) bis zum Hauptplatz auf der bestehenden Gleisanlage der Linie 3. Vor der Straßenbahnhaltestelle „Hauptplatz“ zweigt die Bergbahnstrecke westlich ab und hat ihren Endpunkt auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Richtung stadteinwärts. Dieser Endpunkt wird eingleisig als Stutzgleisanlage ausgeführt. Die Fahrspur in Richtung Altstadt, die Lage der Taxistandplätze und die Straßenquerung vor der Pestsäule bleiben unverändert.
Die Einreichplanung für den Abschnitt 1 ist fertig gestellt und liegt der Behörde zur eisenbahnrechtlichen Baugenehmigung vor. Entsprechend dem neuen Eisenbahngesetz vom Juli 2006 sind bereits den Einreichunterlagen alle Fachgutachten externer Stellen beizugeben. Die erstmalige Abwicklung eines Straßenbahnprojektes nach dem neuen Eisenbahngesetz ist für alle Beteiligten (Behörde, Planer und Gutachter) eine besondere Herausforderung.
Die Abschnitte 2 und 3 sind nach nunmehriger technischer Klärung der Bereiche Mühlkreisbahn und Hauptplatz im Endstadium der Einreichplanung und werden Ende April zur Genehmigung vorgelegt.
In vielen Gesprächen wurde mit den ÖBB die technische Absicherung der Mühlkreisbahn geklärt. Eine Einigung hinsichtlich der generellen Zustimmung wurde erreicht.
Die Endhaltestelle am Hauptplatz wird eingleisig ausgeführt. Der Stiegenab¬gang zur Tiefgarage am Hauptplatz kann unverändert genutzt werden. Für die Fahrgäste ist eine gemeinsame Überdachung des Bahnsteiges Pöstlingbergbahn und Straßenbahn vorgesehen.
Die derzeit laufende Detailplanung wird im Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt vorgenommen.
Die Talstation aus dem Jahr 1899 bleibt unverändert. Um für Interessierte auch in Zukunft ein Stück der Originalbahn aus dem Jahr 1898 zu erhalten, wird – in Abstimmung mit dem BDA – das nördliche Verbindungsgleis zwischen Tal¬station und Wagenabstellhalle einschließlich einer charakteristischen Schleppweiche im Originalzustand belassen. Ein offener Sommerwagen und ein geschlossener Wagen stehen auf der historischen Anlage für kurze Fahrten zur Verfügung.
(Informationsunterlage zur Pressekonferenz von Bürgermeister Franz Dobusch, Aufsichtsratsvorsitzender LINZ AG, Stadtrat Jürgen Himmelbauer, Aufsichtsratsvorsitzender LINZ LINIEN GmbH, Mag. Peter Döllmann, Designer, und DI Walter Rathberger, Vorstandsdirektor LINZ AG, Geschäftsführer LINZ LINIEN GmbH)
Presserückfragen:
Dr.in Doris Fath-Gottinger, Pressesprecherin LINZ AG, Tel. 0664/80340 6721
Fotos: Im Internet unter /http://www.linzag.at/Presse/Bilder/aktuell
Die Veröffentlichung der Bilder ist honorarfrei, Fotonachweis: LINZ AG
Modellbilder: DÖLLMANN Design
Die Bilder sind zur unentgeltlichen Veröffentlichung im Zusammenhang mit Berichterstattungen zum Projekt Pöstlingbergbahn der LINZ AG freigegeben.
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